Machtkampf um die China-Interessen deutscher Konzerne

Ddie 17. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK), die jetzt in Singapur tagt, läuft unter Spannung. Auf den ersten Blick geht es um eine Strategie für den Wachstumsmarkt Asien. Hinter den Kulissen findet jedoch ein Machtkampf um die Positionierung Chinas und die Geschäftsinteressen der fünf wichtigsten deutschen Investoren statt, die ein Drittel aller EU-Direktinvestitionen in China ausmachen: BASF, Volkswagen, Daimler, BMW und Siemens. Vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der der Volksrepublik kritischer gegenübersteht, fühlen sie sich nicht vertreten.

Nach den Erfahrungen mit der eisernen Faust Pekings und der selbstverschuldeten Abhängigkeit von russischem Gas bleibt die letzte Frage, wie in einer aggressiveren Welt große Risiken durch übermäßige Abhängigkeit vermieden werden können. Sie lauern an beiden Enden der Handelskette: im Vertrauen auf wenige Lieferanten, etwa beim Einkauf von Seltenen Erden oder Halbleitern. Sie bedrohen aber auch die Abhängigkeit von Märkten, die eine solche Größe erreicht haben, dass sie unverzichtbar werden. Beides macht Sie erpressbar. Nur schlechte Vermarkter übergeben sich einem Markt oder Anbieter.

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Russland und China können nicht einfach ersetzt werden

Die Beispiele sind erschreckend: Bei ihrem Versuch, das relativ billige Gas Russlands und die hohen Profite Chinas aufzufangen, haben es sich angestellte und auf kurzfristigen Erfolg ausgerichtete Manager zu leicht gemacht. So wird beispielsweise das Management des Chemieriesen BASF auf Jahre hinaus an der falschen Entscheidung festhalten, nachdem es seine Gewinne mit einer riskanten Einkaufsstrategie in Russland aufgeblasen hat. Die Wirtschaft unterschätzte auch Pekings Machtstreben, das zu einem Angriffskrieg gegen Taiwan führen könnte. Nach der Katastrophe in Russland dürfe das Engagement deutscher Unternehmen in China aber nicht gefährdet werden, so schmerzhaft es für Menschenrechtler auch sein mag. Gegen den dann aufziehenden Sturm wären die Folgen der selbst auferlegten Abhängigkeit von russischem Gas nur ein Herbststurm gewesen.

Politik und Wirtschaft müssen nur noch die Flügel öffnen: Russland und China sind nicht einfach zu ersetzen. Und doch ist die Lehre aus den Debakeln, neue Partnerländer auf ihre Eignung zu prüfen. Diejenigen, die bisher gegenüber China aufgestiegen sind, wie Indonesien oder Indien, könnten angesichts der wachsenden Risiken in der Volksrepublik attraktiver erscheinen.

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Viele der potenziellen neuen Zielmärkte haben es in sich. Korruption und Bürokratie grassieren, eine herrschende Klasse blockiert den Zugang, es mangelt an Infrastruktur und Bildung. Berlins politischer Wille, Bündnisse mit mehr oder weniger demokratischen Schwellenländern zu schließen, ist noch keine Geschäftsstrategie. Das muss in den Vorstandsetagen ausgearbeitet werden.

Eine grundsätzliche Frage schwebt über dem Kurswechsel. Inwiefern hat die Politik Vorrang vor der Wirtschaft? Kann die Bundesregierung Manager nur verwarnen oder zu Entscheidungen gegen einen Standort zwingen? Oder können das nur die Gesellschafter als Eigentümer? Die Regierung hat einige Hebel: Sie kann verhindern, dass sich unerwünschte Investoren in Deutschland ansiedeln, wie etwa das Eindringen des chinesischen Konzerns Huawei in die kritische Telefoninfrastruktur. Dies geschah – gegen den Willen von sechs Ministerien – nicht, als die chinesische Staatsreederei Cosco ein Terminal im Hamburger Hafen anlief.

Berlin kann auch politische Unterstützung und Garantien wie die unter dem Hermes-Schutzschirm für Projekte im Ausland verweigern. Infolgedessen sind Vorstände allein und müssen höhere Risiken eingehen, die Versicherungen und Banken – wie Kohle – höher berechnen. Die Fonds überwachen die Aktien derjenigen Unternehmen, die in politisch definierten „Risikoländern“ tätig sind. Wenn es so schlecht läuft wie in Russland, kommt eine Rettungsaktion der Steuerzahler möglicherweise nicht in Frage.

Auch 200 Jahre nachdem sich die ersten Deutschen in Singapur niedergelassen haben, gelten deutsche Geschäftsleute in Asien als Paradebeispiel für einen „ehrbaren Geschäftsmann“. Gut. Aber Ehre ist mehr, als die Bücher gerade zu halten. Ehrlich zu handeln bedeutet auch, das Geschäft nachhaltig aufzubauen. Wenn sie es nicht sind, verlieren alle, Investoren und Mitarbeiter. Es wäre gut, wenn die Debatten in der Asien-Pazifik-Konferenz auch zu einer Überprüfung der eigenen Position führen würden.

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