Finanznachrichten Martin Thaler: Neue Verbraucherschutzstrategie der BaFin: Kein Vollkasko-Schutz für Verbraucher

Vorausschauende, mutigere Aufsicht, Stärkung der Finanzkompetenz von Verbrauchern und eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen Verbraucherschutzorganisationen: Das sind die Eckpunkte des am Dienstag vorgestellten neuen Verbraucherschutzkonzepts der BaFin.

„Vermögen aufbauen, fürs Alter vorsorgen, Risiken absichern. Die Auswahl an Finanzprodukten, die genau das versprechen, ist riesig und eine Transaktion kann in wenigen Sekunden per Mausklick abgeschlossen werden. Das Internet liefert unzählige Anregungen – mal seriös, mal nicht. Noch nie war es für Verbraucher so kompliziert, das für sie passende Produkt auszuwählen“, begründet BaFin-Präsident Marc Branson im aktuellen BaFin-Journal die Notwendigkeit der neuen Strategie.

Marktüberwachung erweitern

Um Verbraucher besser vor bedenklichen Produkten und Anbietern zu schützen, benötigt die BaFin zunächst die notwendigen Informationen. Nur wer besorgniserregende Trends frühzeitig erkennt, kann rechtzeitig handeln. Dazu will die Finanzaufsicht ihre Marktbeobachtung weiter ausbauen.

Als Datenbasis nutzt die BaFin unter anderem Informationen der drei europäischen Aufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA, Informationen aus sozialen Medien sowie Beschwerden, die Verbraucher bei Versicherern einreichen. Auf Basis dieser Daten entwickelt die BaFin Risikoindikatoren, an denen sie ihr Handeln ausrichtet.

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Darüber hinaus bekräftigt die BaFin ihr Vorhaben, Mystery-Shopping-Maßnahmen verstärkt einzusetzen. Hier entsendet die BaFin Testkäufer, die sich beraten lassen oder Produkte zu Testzwecken kaufen. Im ersten Versuch Ende 2021 prüfte die BaFin die Beratungsqualität von insgesamt zwölf Banken und hatte teils gravierende Beanstandungen.

Finanzkompetenz stärken

Gleichzeitig will die BaFin auch die Finanzkompetenz der Verbraucher stärken. „Umfassende finanzwirtschaftliche Qualifikation ist die wichtigste Grundlage für den Verbraucherschutz in Finanzangelegenheiten. Ziel des Verbraucherschutzes der BaFin ist es, Verbraucher in die Lage zu versetzen, auf der Grundlage richtiger und relevanter Informationen selbstständig am Finanzmarkt zu agieren und eigenständig Entscheidungen zu treffen“, heißt es in der Strategie Neuer Verbraucherschutz.

In Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen will die BaFin aber nicht auftreten. Stattdessen setzt man auf eine verbesserte Informationspolitik gegenüber den Verbrauchern. Sie sollen verstärkt über die Eigenschaften, Chancen und Risiken bestimmter Finanzprodukte informiert werden, auch über soziale Medien. Auch auf den bestehenden Podcast-Trend will die BaFin aufspringen.

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Vor allem muss sich die BaFin intensiver mit besonders gefährdeten Zielgruppen befassen. Dazu gehört auch die verständliche Aufbereitung der bereitgestellten Informationen. „Weil die besten Informationen nutzlos sind, wenn man sie nicht versteht“, kommentiert Branson.

Dazu muss die BaFin auch enger mit Verbraucherschutzorganisationen zusammenarbeiten und beispielsweise gemeinsame Aufklärungskampagnen über Verbraucherschutzmittel starten. Damit verspricht die Finanzaufsicht, mehr Menschen zu erreichen als über die eigenen Kanäle. Darüber hinaus muss die BaFin auch Hinweise von Verbraucherschützern zu Beschwerden und Problemen in ihre Marktbeobachtung einbeziehen.

Keine Vollkaskoversicherung für Verbraucher

Laut Strategiedokument muss die BaFin Beschwerden nicht nur aufklären, sondern „konsequent, innovativ und mutig“ agieren. Als letztes Mittel behält sich die BaFin verschiedene Maßnahmen bis hin zu Produktinterventionen vor.

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Sie wollen auch digitale Geschäfts- und Vertriebsmodelle genauer unter die Lupe nehmen und sehen, ob Verbraucher durch Algorithmen oder künstliche Intelligenz diskriminiert werden. Ziel sei es sicherzustellen, „dass Verbraucher auch bei der Nutzung neuer Technologien angemessen geschützt werden“.

Verbraucher sollten jedoch nicht vollständig von der Eigenverantwortung befreit werden, stellt Branson klar. Einen vollkommen umfassenden Schutz kann und will die BaFin nicht bieten. Stattdessen müssen sie die Verbraucher besser informieren, indem sie Risiken und Kosten transparent machen. „Informierte Verbraucher bevorzugen Produkte von Anbietern, die transparent und fair am Markt auftreten“, ist Branson überzeugt.

Die Aussage ist auch für deutsche Lebensversicherer interessant. Die BaFin hat kürzlich in einer Broschüre angekündigt, die Kosten ihrer Produkte genauer unter die Lupe nehmen zu wollen.

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