Deutschland spart sich krank: Kommentar zum Krankenhäuser-Kollaps

Klatschen statt Kohle für Schwestern

Im Klinikum in Bayreuth herrscht derzeit ein Lockdown: Besuche sind untersagt. Der Krankenstand der Mitarbeiter ist zu hoch. Offenbar stehen nicht genügend Pflege- und Pflegekräfte zur Verfügung, um die aktuellen Krankheitswellen einzudämmen. Zu Beginn der Corona-Krise ernteten die Schwestern nicht nur Applaus aus der Bevölkerung. Auch die Politik versprach: Höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen sollten kommen. Doch bis auf den einmaligen Pflegebonus, der auch nicht an alle Gesundheitsberufe ging, hat sich seither wenig getan. Was bekamen die Wachen stattdessen? Impfpflicht. Ein besonderes Zeichen der Wertschätzung.

Als die Impfpflicht für Pflegekräfte eingeführt wurde, war nicht nur klar, dass auch geimpfte Mitarbeiter das Virus jederzeit bekommen und übertragen können. Aber auch die Tatsache, dass es massiven Widerstand seitens der Belegschaft geben würde. Wer Anfang dieses Jahres der Meinung war, dass wir dringend auch Pflegekräfte brauchen, die sich nicht impfen lassen wollen, galt als Querdenker. Jetzt, Ende des Jahres, spricht sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft dafür aus, dass mit dem Coronavirus infizierte Menschen beschwerdefrei im Krankenhaus weiterarbeiten dürfen. Und Impfpflicht? Landratsämter und Rathäuser haben es nicht umgesetzt, Politiker wollen es nicht weiterführen. Anstatt die Gesundheitsberufe attraktiver zu machen, wurden sie zum Spielball symbolischer Politik degradiert.

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Auch Kinderkrankenhäuser haben reduzierte Betten

Besonders schlimm ist die Situation in Kinderkliniken. So auch in Bayreuth, wo man stundenlang in der Notaufnahme wartet. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist die Zahl der Betten in deutschen Kinderkliniken zwischen 1991 und 2017 um ein Drittel gesunken. Grund: unzureichende Finanzierung durch ein Fallpauschalensystem. Schon damals kam die DGKJ zu folgendem Ergebnis: „Auch heute noch werden flächendeckende Versorgung und „Zugangsgleichheit“ in Frage gestellt.

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Seitdem geht der Bettenabbau in den Kinderkliniken weiter. Von 2018 auf 2020 ging die Zahl der Betten zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen um 455 zurück, von 2020 auf 2021 verschwanden 288 Betten aus der Statistik. Das geht aus den Daten des Statistischen Bundesamtes auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Demnach verfügt die Kinder- und Jugendmedizin noch über insgesamt 25.920 Betten.

Billige Antibiotika aus China

In deutschen Apotheken gibt es immer mehr Medikamente, vom Fiebersirup bis zum Streich. Der Grund sind oft unterbrochene Lieferketten. Damit werden jedoch Ursache und Wirkung verwechselt: Denn würde die Arzneimittelproduktion aus Kostengründen nicht ausgelagert, gäbe es kein Supply-Chain-Problem.

Besonders alarmierend: China dominiert den Weltmarkt für Antibiotika. Das Deutsche Ärzteblatt, herausgegeben von der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, warnte kürzlich in einem Artikel: „Sollte es zu einem militärischen Konflikt zwischen China und Taiwan kommen, drohen dramatische Auswirkungen auf die Antibiotika-Versorgung. in Deutschland.”

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Gesundheit kann man nicht kaufen

Natürlich lassen sich nicht alle Probleme im Gesundheitswesen mit großen Summen lösen. Wenn wir wie jetzt von mehreren Krankheitswellen gleichzeitig getroffen werden, kann das auch ein gut ausgestattetes Gesundheitssystem belasten. Dass aber viel mehr möglich ist als die aktuelle Situation, zeigt die Tatsache, dass das Angebot in Deutschland einfach deutlich besser ist. Sie müssen also nichts über das Menschenmögliche hinaus schaffen. Das Erreichen des Niveaus der Vergangenheit wäre ein Anfang.

Aber das Geld ist überall knapp – oder? Scheinbar nicht. Ansonsten schienen immer mehrere Millionen Münzen in der Schatzkammer zu klimpern. Oder gar Milliarden, wenn es um Waffen für die Ukraine geht. Doch beim Gesundheitswesen greift der Staat nicht in die Kasse, sondern in den Rotstift.

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