Dauerhafte Sommerzeit würde Wildunfälle leicht reduzieren – Wissenschaft

Amerikanische Studie

Durch die Umstellung auf die Winterzeit wird es morgens heller und abends dunkler. Dies wirkt sich laut einer amerikanischen Studie auf die Zahl der Wildunfälle im Straßenverkehr aus.

Von dpa

Rehe in der Abenddämmerung

Ein Reh überquert in der Abenddämmerung eine Landstraße. Laut einer amerikanischen Studie kann die Einhaltung der ganzjährigen Sommerzeit die Zahl der Wildunfälle reduzieren.

Foto: DPA/Robin Loznak

Washington/Berlin (dpa) – Einer amerikanischen Studie zufolge kann die ganzjährige Einhaltung der Sommerzeit die Zahl der Wildunfälle etwas reduzieren. Diese Gesamtänderung würde zu etwa 2,3 Prozent weniger Kollisionen zwischen Wild und Fahrzeugen pro Jahr führen, berichtet ein Forschungsteam in der Zeitschrift Current Biology. Aufgrund der herbstlichen Winterzeit waren zum Beispiel nach Sonnenuntergang plötzlich mehr Menschen auf den Straßen. Nach Angaben der Forscher stieg die Zahl solcher Kollisionen in der Woche nach dem Wechsel um 16 Prozent.

Das Kollisionsrisiko hängt davon ab, inwieweit sich die Aktivitäten von Mensch und Wild überschneiden. Rehe und verwandte Arten sind dämmerungsaktiv, was bedeutet, dass sie hauptsächlich in der Morgen- und Abenddämmerung unterwegs sind. Demnach kam es nach Angaben der Forscher abends nach Sonnenuntergang 14-mal häufiger zu Kollisionen als zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Außerdem ist der Herbst die Paarungszeit für Tiere, wenn ihre Aktivität zunimmt, was die Kollisionsgefahr ohnehin erhöht.

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Gefahr im Dunkeln

Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung gibt es in Deutschland keine ausreichenden Daten zum Zusammenhang zwischen Wildunfällen und Wetteränderungen. „Wenn der Berufsverkehr in der Dämmerung oder im Dunkeln ist, ist die Gefahr von Wildunfällen natürlich höher, das ist klar“, sagt Inga Olfen, Sprecherin der Stiftung. „Aber uns sind keine wirklich belastbaren Daten bekannt, die zeigen, dass es in den letzten Tagen wegen des Wetterumschwungs zu mehr Unfällen gekommen ist.“ Die Stiftung geht davon aus, dass durch die Umstellung der Höhepunkt der Wildunfälle nur um wenige Wochen nach vorne verschoben wird. Selbst wenn noch Zeit wäre, würde es kommen, wenn auch etwas langsamer.

Auch Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV) hat keine Daten zum Zusammenhang zwischen der Wetteränderung im Herbst und der gestiegenen Zahl von Zusammenstößen. Mit Blick auf die Morgenstunden sagt er: Durch die Zeitumstellung müssen die Tiere nachts in der Abenddämmerung deutlich mehr Verkehr aushalten. Generell hat das Spiel bei gleicher Zeit und immer kürzer werdenden Tagen eine gewisse Chance, sich an den Verkehr anzupassen. Laut dem Tierfundkataster des DJV – der nationalen Datenbank, die Tiere erfasst – ereignen sich die meisten Wildunfälle im Herbst zwischen sechs und neun Uhr morgens.

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Betroffen sind Damwild und Wildschweine

Wegen der Zeitumstellung beginne die morgendliche Hauptverkehrszeit für Pendler plötzlich in der Abenddämmerung – statt in der früheren Dunkelheit – und damit während der höchsten Tieraktivität, sagte Reinwald. In Deutschland sind Dam- und Wildschweine zu dieser Jahreszeit die Hauptunfälle. Die mittelgroßen Hirscharten haben jetzt ihre Paarungszeit und sind vor allem in Norddeutschland viel unterwegs. Auch für Wildschweine naht die Paarungszeit, auch sie verlagern ihren Lebensraum von den abgeernteten Feldern zurück in die Wälder.

Der Deutsche Jagdverband empfiehlt generell, an schwer einsehbaren Wald- und Feldrändern, insbesondere in der Dämmerung, die Geschwindigkeit zu reduzieren. „Wenn ich im Scheinwerferkegel am Straßenrand die Spiegelung von Tieraugen sehe, muss ich unbedingt dimmen, also das Fernlicht ausschalten“, sagte Reinwald. Ein Reh oder Kitz würde in der Dämmerung extrem scharf und gut sehen. Und für Tiere ist das Fernlicht „wie ein Nachtsichtgerät und eine Taschenlampe, die ihnen in die Augen scheint“. Laut Reinwald sehen sie nichts mehr und werden unsicher. Tiere hingegen nehmen lautes Hupen als Gefahr wahr und laufen von der Straße weg.

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Die Fahrer müssen dann bremsen und das Lenkrad halten. „Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver ist immer die schlechteste Option, also besser eine kontrollierte Kollision in Kauf nehmen“, riet Reinwald. Andernfalls besteht bei einem unkontrollierten Manöver ein hohes Risiko, in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum gefahren zu werden.

Wenn es doch zu einem Unfall kommt, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sich in Sicherheit zu bringen – verwenden Sie Warnblinkanlage, Warnweste und Bremsdreieck. Das tote Tier kann mit Handschuhen zur Seite bewegt werden, um zukünftige Unfälle zu vermeiden. „Sollte das Tier noch leben und schwer verletzt sein, sofort Abstand halten“, erklärt Reinwald. In jedem Fall muss die Polizei verständigt werden, die sich dann mit dem örtlichen Jäger in Verbindung setzt. Damit können Sie eine Wildunfallbescheinigung ausstellen, einlösen oder das Tier suchen.

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© dpa-infocom, dpa:221104-99-382319/2

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