Bundeswehr: Deutschland fehlt neue Munition – und ist dabei abhängig von China

Geschäft Produktionsengpass

Deutschland fehlt neue Munition – und ist von China abhängig

Gerhard Hegmann

“Deutschland wird weit unten auf der Warteliste für Munition landen”

„Die Bundeswehr hat ein Vierteljahrhundert gerettet“, sagt Thorsten Jungholt, politischer Korrespondent der WELT. Die Kanzlerin hätte früher eingreifen müssen. Verteidigungsminister Lambrecht bevorzugt seltsamerweise Jungholt.

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Die Bundeswehr benötigt dringend Munition. Es wird spekuliert, dass die Vorräte nur wenige Stunden bis Tage reichen würden. Ein wichtiger Rohstoff für Schießpulver wird immer knapper – was auch politische Gründe haben kann.

DDeutsche Munitionsvorräte sind geheim. Aber auch andere Länder geben nicht bekannt, wie viele Raketen sich in den Bunkern befinden. Bei der Bundeswehr soll es aber besonders klein sein. Es wird spekuliert, dass der Vorrat in einem möglichen Krieg je nach Art der Munition nur wenige Stunden oder höchstens Tage dauern würde. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und Nato-Verpflichtungen soll nun neue Munition in Milliardenhöhe beschafft werden. Allerdings hängt das Tempo des geplanten Produktionsausbaus auch davon ab, ob China mitspielt.

Für diesen Montag ist im Kanzleramt ein Gipfel mit Vertretern der Rüstungsindustrie angesetzt. Ziel ist es zu untersuchen, wie die Produktion gesteigert werden kann. Und das ist keine leichte Aufgabe. Beim Liefertermin der neuen Munition muss sich Deutschland also noch gedulden. Auf dem jüngsten CSU-Wehrtechnikkongress sagten Branchenkenner, dass die ohnehin schon begrenzten Kapazitäten der Branche wegen der bisherigen Auftragszurückhaltung Berlins schnell durch andere Länder aufgefüllt würden.

Es ist ein Indiz dafür, wie wichtig der sogenannte Munitionsgipfel in Berlin ist. So erklärt Hermann Mayer, Chef des Munitionsherstellers MEN (Metalwerk Elisenhütte Nassau), dass die befreundeten Nationen bereits Anfang dieses Jahres Rahmenverträge für mehrere Jahre abgeschlossen haben. Auch für die Ausrüstung der deutschen Sicherheitskräfte ist es notwendig, um langfristige Lieferketten für die benötigten Komponenten sicherzustellen. “Das muss eines der Ergebnisse des Munitionsgipfels im Kanzleramt sein”, sagt Mayer.

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Neben der deutschen Munitionsfabrik RWS (Rheinisch Westfälische Sprengstoff Actien-Gesellschaft), die im Frühjahr von der italienischen Beretta-Gruppe gekauft wurde, ist MEN zugelassener Lieferant von Kleinkalibermunition für die Bundeswehr, beispielsweise für das G36 Standard. Sturmgewehr. Bei größeren Kalibern wie Artilleriemunition dominiert Rheinmetall.

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Kürzlich gab der Düsseldorfer Konzern den Kauf des spanischen Munitionsherstellers Expal Systems für 1,2 Milliarden Euro bekannt. Der Ausbau der Munitionskapazitäten steht im Vordergrund. Aber auch Grundstoffe müssen vorrätig sein. Rheinmetall räumt ein, dass der Zugang zur Munitionspulverproduktion beim Kauf des spanischen Munitionskonzerns eine wichtige Rolle spielt. In diesem Bereich sind nun in Europa Engpässe aufgetreten.

Munitionspatronen – ob für Geschütze oder Panzer – enthalten ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Baumwollgewebe: die sogenannten Linters. Wichtigster Lieferant dieser Schlüsselkomponente ist China. Nahezu alle europäischen Produzenten beziehen nach Angaben der Branche die benötigten Baumwoll-Linters aus der Volksrepublik, darunter beispielsweise die Schweizer Tochtergesellschaft Rheinmetall Nitrochemie Wimmis.

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Aber die Transporter sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie sei es bereits zu Verzögerungen bei Linter-Importen gekommen, heißt es. Mittlerweile beträgt die Vorlaufzeit für die Bestellung von Treibladungspulver etwa 14 Monate. Die Lieferungen aus China dauern jetzt sechs bis neun Monate. Zum Vergleich: Früher lag der übliche Zeitraum bei etwa drei Monaten. Das macht die Produktionsplanung jetzt extrem schwierig.

Der Berliner Branchendienst „Sicherheitstisch“ bezeichnet die Herstellung von Sprengstoff und Pulver sogar als „Teil des Systemwettbewerbs zwischen dem Westen und China“. Chinesische Pulverhersteller sollen westliche Munitionshersteller seit gut einem halben Jahr nicht mehr beliefern, heißt es. Eine Bestätigung lag kurzfristig nicht vor.

Sicher ist, dass der Krieg in der Ukraine zu einem enormen Munitionsverbrauch geführt hat und den Nato-Streitkräften zeigt, dass sie ihre Vorräte auffüllen müssen. Rheinmetall weist darauf hin, dass die Ukraine täglich etwa 6.000 bis 10.000 Schuss im Groß- und Mittelkalibersegment abfeuert, Russland sogar 20.000. Und bei Kleinkalibermunition wird der Munitionsverbrauch wahrscheinlich um ein Vielfaches höher sein.

Munition muss Extremsituationen standhalten

Die Munitionsproduktion der Bundeswehr ist keineswegs trivial. Es gibt spezielle Anforderungen, die über die NATO-Eckpunkte hinausgehen. Der klimatische Bereich, in dem die Munition einwandfrei funktionieren muss, liegt laut Nato-Vorgaben bei minus 54 Grad bis plus 52 Grad Celsius. Bei der Bundeswehr haben jedoch Erfahrungen aus Auslandseinsätzen wie Afghanistan oder Mali gezeigt, dass diese Obergrenze nicht ausreicht. Munition muss nun bei heißen 63 Grad Celsius funktionieren. Eine große Herausforderung für die Munitionsproduktion.

Zudem setzt die Bundeswehr seit den 1990er Jahren emissionsarme Munition ein. Damit sollen vor allem Trainer vor schädlichen Emissionen wie Bleiverbindungen in Zündern geschützt werden. „Die Bundeswehr hat früh erkannt, dass ihre Soldaten in Friedenszeiten am besten durch Arbeitsschutzmaßnahmen geschützt sind“, sagt MEN-Chef Mayer. Außer der Bundeswehr hat nur die schwedische Armee ähnliche Standards.

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