Börse: Warum viele Anleger im Zitter-Modus sind – Wirtschaft

Wenn Michael Burry twittert, ist der Zusammenbruch nicht mehr weit. Der amerikanische Investor hat an der Börse einen legendären Status, schließlich hat er vor der Finanzkrise gewettet, dass der Immobilienboom der Vereinigten Staaten zusammenbrechen würde. Vor wenigen Tagen schloss der 51-Jährige in nur acht Wörtern an die Weltöffentlichkeit: „Ihr habt keine Ahnung, wie klein ich bin“, twitterte Burry. Auf Deutsch: Du hast keine Ahnung, wie sehr ich auf fallende Kurse setze.

Man könnte Burrys Tweet als Attitüde eines Mannes wahrnehmen, der Weltruhm erlangte, indem er einen Kollaps vorhersagte. Aber Burry fängt eine Stimmung ein, die in den letzten Tagen an der Börse grassiert hat. Weil die großen Aktienindizes seit Ende Oktober stark gestiegen sind, werden Anleger zunehmend skeptisch. Genauer gesagt: Registrieren Sie einen Skeptiker. Zahlen des Börsenbetreibers CBOE zeigen nun, dass Anleger derzeit mehr denn je auf fallende Aktienkurse setzen. Stehen die Aktienmärkte vor dem Kollaps?

Wer die aktuelle Lage an den Aktienmärkten verstehen will, kann sie als Duell interpretieren. Aktien konkurrieren mit ihrem natürlichen Gegenspieler, den vermeintlich sicheren Anleihen. Wenn die Notenbanken die Zinsen erhöhen und damit Anleihen zu mehr Zinserträgen verhelfen, wirken verzinsliche Wertpapiere im Licht der Computerbildschirme attraktiver und die Aktien plötzlich übersichtlicher. Umgekehrt suchen Anleger ständig nach Hinweisen darauf, dass die Zentralbanken die Zinsen nicht so stark wie erwartet anheben konnten – und die Aktien besser aussehen.

Auch Lesen :  Konzern schreibt Verluste: Ex-Chef Iger kehrt überraschend zu Disney zurück

Es war 14:00 Uhr deutscher Zeit am 10. November, als Investoren einen solchen Grund gefunden zu haben scheinen. Statt einer Inflation von 8,2 Prozent stiegen die Preise in den USA im Oktober nur um 7,7 Prozent. Obwohl die Inflationsrate nur um wenige Dezimalstellen gesunken war, spekulierten die Anleger auf eine sanftere Zinserhöhung der Zentralbank. „Diese starke Marktreaktion war völlig übertrieben“, sagt Vermögensverwalter Manfred Schlumberger von der Verwaltungsgesellschaft Ha-Va.

Anleger setzen mehr als je zuvor seit 1997 auf fallende Kurse

Doch die Euphorie einiger weniger führte zu einer doppelten Kaufwelle an den Börsen. Wenn einige Handelsalgorithmen einen Kauf erkannten, platzierten sie auch Kaufaufträge auf dem Markt. Dann sprangen tatsächlich skeptische Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, ab. Laufen die Börsenindizes jedoch in die falsche Richtung, werden diese skeptischen Wetten teuer. „Am Ende des Tages müssen Spekulanten ihre Wetten einstellen und ausgerechnet Aktien kaufen“, sagt Börsenexperte Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.

Auch Lesen :  Geldpolitik zu straff: Top-Ökonomen Mohamed El-Erian und Jeremy Siegel: Die Fehler der Fed werden in die Geschichte eingehen | Nachricht

Genau eine Woche später wollte US-Notenbanker James Bullard dieser Börseneuphorie wohl bewusst die Luft entweichen lassen. Auf Folie 26 spickte er seinen Vortrag zur Notenbank-Zinspolitik mit einer pikanten Botschaft: Im Zweifelsfall könne die US-Notenbank den Leitzins auf sieben Prozent anheben, sagte der Notenbankpräsident der Regional Zweig. in St.Louis. Die meisten Anleger hatten bestenfalls mit einer maximalen Verzinsung von fünf Prozent gerechnet. Man könnte sagen: Bullards Nadelstich war ein Erfolg.

Die Stimmung an den Aktienmärkten hat sich innerhalb weniger Tage dramatisch verändert, ein Barometer der Panik an den Aktienmärkten misst dies so deutlich wie kein anderes: Der US-Börsenbetreiber CBOE errechnet aus dem Wetten auf steigende und fallende Kurse einen „Seil der Angst“. Setzen Anleger eher auf steigende Kurse, sinkt das Angstbarometer. Glauben die Börsenprofis allerdings eher an den Kursrückgang als an den Kursanstieg, steigt das Börsenfieber-Thermometer. Schaut man sich die Fieberkurve im Langfristchart an, sieht man etwas Beunruhigendes: In der vergangenen Woche setzten die Anleger so stark auf fallende Kurse wie noch nie seit Beginn des Barometers im Jahr 1997. Und auch diese Woche ist der Angstwert höher. als zur Zeit der globalen Finanzkrise.

Auch Lesen :  Metallindustrie - Hamburg - Vierte Metall-Tarifrunde auch im Norden ohne Ergebnis - Wirtschaft

Seit Wochen setzen Anleger fast ausschließlich auf weniger Zinswettbewerb. Der Ukrainekrieg? ignoriert. Probleme in der Lieferkette? ignoriert. Rezessionsgefahr? ignoriert. „Anleger haben wie Schafe meist die Augen zugemacht“, sagt Marktexperte Molnar.

Jetzt ist die Angst aber zurück, was viele als positives Zeichen werten. Die gängige Lesart: Wenn alle skeptisch sind, gibt es nicht viel Übertreibung im Markt und das Potenzial für steigende Preise. Allerdings mag dieses Gegenkonzept im Moment voreilig sein. „Viele Großinvestoren sichern mit diesen Verträgen wohl ihre Portfolios bis Ende des Jahres ab“, sagt Vermögensverwalter Schlumberger. Der Skepsis-Indikator kann Sie skeptisch machen.



Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button