Banken: Hört auf zu Jammern! – Wirtschaft

Wenn Manfred Knof, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, sich über die aus seiner Sicht strenge Bankenregulierung beschwert, dann muss wirklich etwas nicht stimmen. „Auch jetzt in der Krise“ gehe der „Regulierungszug unvermindert weiter“, sagte der Bankmanager in dieser Woche auf einer Konferenz in Frankfurt. „Neue Anforderungen und neue bürokratische Hürden“ würden geschaffen. “Als ob nichts gewesen wäre. So kann es nicht weitergehen”. Aha. Als wäre nichts gewesen? Hat der Chef der Commerzbank vergessen, dass die Allgemeinheit die Bank in der Finanzkrise mit vielen Milliarden retten musste? Dass das Haus des Geldes, das er seit fast zwei Jahren betreibt, ohne die Steuerzahler vermutlich nicht mehr existieren wird? Und dass die Bankenregulierung gerade deshalb streng sein muss, damit sich so etwas nicht wiederholt? Vor allem in einer Krise?

Während Knofs Kommentar besonders irritierend ist, ist er nur einer von mehreren, die diese Woche aus der Bankenbranche zu hören waren. Fast scheint es, als würden die Manager zusammenziehen: Bini Smaghi, Vorsitzender der französischen Société Générale, hatte sich in einem Beschwerdebrief an die EZB gemeldet, dass er sich zu sehr ins Tagesgeschäft einmische. . Dann wurde bekannt, dass die italienische Unicredit mit der Regulierungsbehörde über die Höhe der Dividende stritt. Und schließlich schloss sich James von Moltke, Finanzvorstand der Deutschen Bank, ernsthaft an, indem er sagte, dass die Regulierungsbehörden “die Bankenbranche nicht tun lassen werden, was sie tun sollte, nämlich ein Motor der Wirtschaft zu sein”.

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Vorgesetzte sollten Kritik als Lob verstehen

Man kann sich nur fragen: Wie geschichtsvergessen und selbstgefällig kann man eigentlich in den oberen Stockwerken der Bankentürme sein? Während der Finanzkrise mussten Steuerzahler viele Milliarden ausgeben, um die Branche zu retten. Auch in der Corona-Krise und teilweise in der Gaskrise haben der Staat und die Notenbanken durch ihr beherztes Eingreifen die Finanzmärkte vor großen Verlusten bewahrt.

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Dass europäische Banken relativ gut dastehen und ihr Risikomanagement offenbar besser im Griff haben als vor der Finanzkrise, liegt auch an den vermeintlich nervigen EZB-Aufsehern. Dies sollte also die Kritik an den Finanzinstituten über sich ergehen lassen, ja sogar als Lob werten, dass sie viel Gutes tun.

Paradoxerweise schließen viele Banken aus ihren derzeit akzeptablen Geschäftszahlen, dass die Aufsicht Zurückhaltung üben sollte. Sonst könnten sie nicht der “Motor der Wirtschaft” sein, behaupten sie. Im Kern geht es jedoch um Boni und Dividenden. Die EZB verbietet Dividenden nicht wie während der Pandemie, aber sie warnt die Banken, Mitarbeitern und Aktionären nicht zu viel zu geben. Denn die Aufseher wissen: Wenn eine Großbank in Schwierigkeiten gerät, weil sie mit zu wenig Eigenkapital operiert, muss meist der Steuerzahler einspringen. Banken können also als Aktiengesellschaft agieren und an der Börse notiert sein, sind aber dennoch kein reines Privatvergnügen. Der Staat erteilt Lizenzen zur Ausübung des Gewerbes. Und er kann sie wieder zurückziehen.

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Wichtig ist auch etwas anderes: Auch an der Wall Street ist nicht alles perfekt, aber die Aufsicht dort ist strenger und unnachgiebiger. US-Banken sind nicht nur deutlich angemessener kapitalisiert, sondern gelten auch als besser geführt. Offensichtlich ist eine starke Finanzaufsicht am Standort kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Ist Wirecard bereits vergessen, das Pleiteunternehmen aus Aschheim, das vor den Augen der deutschen Aufsichtsbehörden Böses tat und das ganze Land in Verlegenheit brachte, lohnt sich derzeit auch ein Blick nach Zürich, wo noch die Credit Suisse sitzt nur dank staatlicher Hilfe aus Katar und Saudi-Arabien überleben kann. In der Schweiz wurde das Risikomanagement schleifen gelassen. Offenbar haben die Aufseher nur zugeschaut und die Bank zum „Motor der Wirtschaft“ gemacht.

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