Aldi und Lidl im Preischeck: So viel habe ich bezahlt

Kopf an Kopf: Auch Discounter befinden sich in Zeiten der Inflation im Preiskampf.

Kopf an Kopf: Auch Discounter befinden sich in Zeiten der Inflation im Preiskampf.
press alliance / press alliance/Bildagentur-online/Schöning

Auch die Lebensmittelinflation erreichte im Oktober einen neuen Höchststand. Laut Statistischem Bundesamt waren es 20,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

So wenden sich viele Verbraucher ihren eigenen Discountmarken zu. In den letzten Monaten sind sie auch bei Aldi und Lidl teurer geworden. Doch in welchem ​​Discounter gibt es die günstigsten Produkte?

Business Insider-Redakteur Steffen Bosse hat bei den beiden größten deutschen Discountern jeweils zehn Produkte gekauft. Das Ergebnis: Die Unterschiede liegen im Cent-Bereich.

Wo ich in Berlin wohne, liegen sie sich direkt gegenüber: Aldi und Lidl. Die beiden liefern sich stets einen harten Preiskampf und werben damit, der günstigste Discounter im Land zu sein. Das ist aktuell für viele Menschen relevant, denn neben den Gas- und Energiekosten sind auch die Preise in den Supermärkten gestiegen: Laut Statistischem Bundesamt hat die Lebensmittelinflation im Oktober einen neuen Höchststand erreicht. Verbraucher zahlten durchschnittlich 20,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das ist einer der Gründe, warum zum Beispiel Aldi seit Anfang November mit einer Euro-Aktion für Obst und Gemüse wirbt. Man sieht sich laut einer Pressemitteilung als “zuverlässiger Grundversorger”. „Gerade jetzt müssen sich unsere Kunden nicht mehr zwischen Qualität und Preis entscheiden.“

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Qualität zum kleinen Preis: Das versprechen seit langem Eigenmarkenprodukte von Aldi und Lidl. Sie werden in großen Mengen von namhaften Herstellern eingekauft und dann unter eigenem Label vertrieben. Nicht nur das Prinzip ist bei beiden Discountern gleich: Aldis Eigenmarke für Molkereiprodukte heißt Milsani, Lidls Milbona; Kräuterfrischkäse bei Aldi Fraicho, bei Lidl Crefée. Hauptsache irgendwie französisch – das Markenprodukt von Bresso lässt grüßen.

Aldi und Lidl: Rund 16 Euro für zehn Artikel

Viel wichtiger ist jedoch die Frage: Wessen Marken sind günstiger? Um das herauszufinden, ging ich in beiden Discountern einkaufen und kaufte zufällig zehn Eigenmarkenprodukte sowohl meiner Aldi Nord- als auch meiner Lidl-Filialen.

Das Ergebnis: Ich habe in beiden Filialen auf den Cent genau den gleichen Betrag bezahlt. Eigentlich hätte ich. In meiner Aldi-Nord-Filiale war das Kühlregal jedoch leer. Also musste ich statt Vollmilch auf frische Magermilch zurückgreifen – und die ist in beiden Rabatten zehn Cent günstiger. Bei mir geht der Punkt für volle Regale am frühen Morgen an die Lidl-Filiale.

Zehn Eigenmarkenprodukte von Aldi (links) und Lidl (rechts).  Tatsächlich sehen sich die Produkte so ähnlich, dass ich die Quittungen geändert habe.

Zehn Eigenmarkenprodukte von Aldi (links) und Lidl (rechts). Tatsächlich sehen sich die Produkte so ähnlich, dass ich die Quittungen geändert habe.
Geschäftseingeweihter

Unterm Strich stehen bei den beiden Discountern 16,16 Euro auf dem Kassenzettel. Mir war schon vorher klar, dass der Preisunterschied zwischen Aldi und Lidl bei vielen Produkten minimal sein dürfte. Ich war jedoch überrascht, dass die Preise für Handelsmarken so ähnlich sind.

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Für das Geld bekam ich frische Milch, Naturjoghurt, Pflanzenfrischkäse, Weizenbrot, Spaghetti, gemischtes Hackfleisch, jungen Gouda-Käse, eine Dose Tomatenwürfel, einen Schokoriegel und ein Stück Butter – alles in gleichen Mengen. Ein Blick auf den Kassenbon zeigt, dass der erwähnte Frischkäse „Kräuter der Provence“ bei Aldi zehn Cent mehr kostet als bei Lidl, die Dosentomaten von Lidl aber zehn Cent mehr. Größter Posten ist das gemischte Hackfleisch: Ich habe in beiden Discountern 3,99 Euro bezahlt.

„Wenn ein Discounter sechs oder sieben Cent mehr kostet, gehen die Kunden zur Konkurrenz“

Die Preise können jedoch noch steigen. Der Sprecher der Geschäftsführung von Aldi-Süd, Stefan Kopp, erklärte in einem Interview mit der „Lebensmittelzeitung“, dass Aldi die Einkaufsvorteile auch weiterhin an die Kunden weitergeben werde. Allerdings werden nicht alle Kostensteigerungen kompensiert werden können.

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Wettbewerbsexperte Christian Rusche vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln erklärt, dass Eigenmarken so günstig sind und es bei der harten Konkurrenz im Lebensmittelhandel nicht viele Unterschiede zwischen den Discountern gibt: „Günstige Eigenmarken haben die Funktion, Kunden anzulocken überhaupt speichern”, sagt er. Margen sind klein für Diskontierung.

Die Logik: Werden Grundbedürfnisse günstig gedeckt, kaufen Kunden auch andere Produkte, die für das Unternehmen rentabler sind – seien es Premiumprodukte oder Markenartikel, so Rusche. Die Kunden seien äußerst preissensibel: “Wenn ein Discounter für seine Eigenmarken sechs oder sieben Cent mehr kostet, gehen die Kunden zur Konkurrenz.”

In den kommenden Monaten werden die Preise jedoch eher steigen als fallen. Denn: „Das Gute für den Handel ist, dass die Kunden auf steigende Preise vorbereitet sind. Wenn ja, dann packen die Unternehmen jetzt an“, sagt Rusche. “Aber man muss trotzdem aufpassen, nicht völlig unattraktiv zu werden.”

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